Naturheilmittel für Wirbellose

Natürliche Heilmittel spielen eine wichtige Rolle in der Wirbellosen-Aquaristik, da Wirbellose viele Medikamente gar nicht oder nur sehr schlecht vertragen. Naturheilmittel können nicht nur vorbeugend eingesetzt werden um Krankheiten zu verhindern, einige davon sind höchst wirksam bei Bakterien, Pilzen und sogar bei starken Infektionen

Beim Sammeln und Aufbewahren von Naturheilmitteln muss darauf geachtet werden, dass nicht entlang von Straßen, in Industriegebieten oder am Feldrand (Spritzmittel)  gesammelt wird. Auch der Zeitpunkt des Sammelns ist wichtig. Zum Beispiel sollte grünes Birkenlaub  gesammelt werden, wenn es mindestens 3 Stunden der Sonnenstrahlung ausgesetzt war, da dann die Produktion an ätherischen Ölen am stärksten ist. Nach dem Trocknen wird alles luftig – und nicht luftdicht – aufbewahrt, da die Restfeuchte zu Schimmel führen kann.

Herbstlaub

Braunes Herbstlaub ist kein klassisches Naturheilmittel, aber es ist das perfekte Futter und hat darüber hinaus noch eine tolle Wirkung auf das Wasser. Es enthält Huminstoffe und Tannine (Gerbstoffe), die leicht antibakteriell und fungizid wirken und vielen Krankheiten vorbeugen. Außerdem bietet es Ansiedlungsfläche für Mikroorganismen, die von den Tieren abgeweidet werden. Gleichzeitig bietet es unzählige Versteck für den  Nachwuchs und frisch gehäutete Tiere. Es kann kurz mit heißem Wasser überbrüht werden (wie ein Tee ziehen/etwas abkühlen lassen), dann geht es sofort unter. Natürlich schwemmt man durch das Überbrühen auch Wirkstoffe aus. Alternativ kann man es auch  ohne überbrühen einfach getrocknet ins Wasser geben, es dauert dann nur etwas, bis es sich vollgesogen hat und untergeht. Laub sollte immer in unterschiedlichen Zerfallsstadien im Aquarium sein. WICHTIG: Laub wird nur als braunes Herbstlaub in größeren Mengen eingebracht, da hier der  Baum den Blättern die Zuckerstoffe entzogen hat. Grünes Laub enthält viele Zuckerstoffe und sollte daher nur in kleinen Mengen verwendet werden.

Weidenrinde

Weidenrinde

Weidenrinde wirkt durch Salicylsäure antibakteriell, besonders die Rinde von der weit verbreiteten Salweide (Salix caprea), Reifweide (Salix daphnoides) oder Bruchweide (Salix fragilis). Die Rinde wird frisch oder getrocknet verwendet. Getrocknet wird sie bei Zimmertemperatur ohne Sonneneinwirkung, damit die Wirkstoffe erhalten bleiben. 2-3 Streifen (2 x 5cm) werden auf 50 Liter angewendet. Bei starken Infektionen oder hohem Besatz kann die Dosis bis zur 3-fachen Menge erhöht werden. Alle 2 Wochen austauschen.

Grünes Birkenlaub

Grünes Birkenlaub wirkt durch Flavonoide, Saponine, Tannine (Gerbstoffe), ätherische Öle und Vitamin C gegen Bakterien und Pilze, außerdem kann es die Wundheilung unterstützen und bei Geschwüren und Tumoren bei Fischen helfen. Es wird im Frühsommer an sonnigen Tagen geerntet. Wenn das Laub mindestens 3 Stunden in der Sonne war, ist die Produktion an ätherischen Ölen am stärksten.

Dosierung und Anwendung: Auf 10 l Aquarienwasser wird 1 Blatt getrocknet ins Aquarium gegeben. Trocken und nicht überbrüht. Nicht überdosieren! Die Blätter bleiben im Aquarium, bis sie komplett verwertet wurden. Bei Bedarf wird die Behandlung nach 1-2 Wochen wiederholt.

Fenchelgrün

Das grüne Kraut der Fenchelknolle (Bio / unbehandelt) enthält viele antibakterielle Inhaltsstoffe und wird daher als Futter bei akuten Infektionen angewendet. Es wird gründlich gewaschen und schonend ohne Sonneneinwirkung bei Zimmertemperatur getrocknet und luftig (nicht luftdicht) aufbewahrt. Es könnte durch die Restfeuchte schimmeln. Fencheltee eignet sich nicht, da er aus den Samen besteht, die nicht gefressen werden. Täglich nur kleine Mengen füttern, die in wenigen Stunden aufgefressen werden.

Zimtstangen

Zimtstangen sind wirksam gegen Pilze und Bakterien, da sie ätherische Öle und Tannine (Gerbstoffe) enthalten. Nur Zimtstangen aus dem Lebensmittelbedarf verwenden (nicht aus dem Bereich Dekoration / Floristik), da nicht bekannt ist ob diese unbehandelt sind. Einige Quellen besagen, dass man nur Ceylon-Zimt verwenden sollte, weil Cassia-Zimt mehr Cumarin enthält. In der Aquarienpraxis hat sich hier jedoch kein Unterschied feststellen lassen. Es ist nicht erwiesen, dass Cumarin in den in Zimtstangen vorhandenen Dosierungen für Garnelen oder Fische schädlich ist.

Dosierung: 1 Zimtstange von ca. 5 bis 7 cm Länge auf 20 l Aquarieninhalt. Nach ca. vier Wochen haben die Zimtstangen ihre Inhaltsstoffe an das Aquarienwasser abgegeben. Man kann sie aber noch im Aquarium belassen, da sie von Garnelenbabys als Versteck genutzt und von allen Tieren abgeweidet werden (Algen, Mikroorganismen)

Kochsalz (ohne Jod, Fluor, E535)*

Kochsalz ist natürlich kein klassisches Naturheilmittel. Da sehr viele Bakterien, die Krankheiten bei Garnelen und Krebsen verursachen können, halophob sind, mögen sie kein Kochsalz (NaCl). Daher kann oft eine Behandlung mit Salz schon ausreichen, um die Krankheitserreger in den Griff zu bekommen. Auch gegen Parasiten wie Saugwürmer oder aufsitzende Würmer bei Schnecken ist Kochsalz sehr wirksam.

Salzbehandlungen können sowohl im laufenden Aquarium, besser wäre aber in einem Quarantäneaquarium durchgeführt werden. Es ist aber nicht für alle Tiere geeignet. Sulawesi-Garnelen vertragen Salzbehandlungen ebenso wie schuppenlose Fische wie Welse und Pflanzen nicht gut.

Dosierung: 1 bis 3 g Kochsalz pro Liter wird im Normalfall gut vertragen.

*am besten ist Spülmaschinensalz oder Regeneriersalz nach DIN EN 973 Tabelle 1: Typ A. Hier handelt es sich um hoch gereinigtes Salz ohne jegliche Zusätze

Seemandelbaumblätter

Seemandelbaumblätter haben einen hohen Gehalt an Gerbstoffen und Huminstoffen und wirken dadurch antibakteriell und pilzhemmend. Sie senken den pH-Wert minimal. Die Blätter werden nicht überbrüht, um keine Inhaltsstoffe auszuschwemmen. Sie verbleiben bis zum vollständigen Zerfall im Aquarium. Das verbleibende Blattgerippe kann entnommen werden, wenn es optisch stört. Wenn eine schnelle Wirkung benötigt wird, kann ein Sud angesetzt werden.

Dosierung: Die Dosierung hängt stark von der Blattgröße ab. Bitte daher die Packungsanleitung beachten.

Seemandelbaumrinde

Seemandelbaumrinde enthält deutlich mehr antibakterielle Wirkstoffe als Seemandelbaumblätter und hat sich bei bakteriellen Infektionen gut bewährt.

Bei leichten Infektionen reicht evtl. eine Behandlung mit Seemandelbaumrinde aus und es muss kein weiteres Medikament verwendet werden.

Dosierung: gemäß Packungsanleitung.

Erlenzäpfchen

Erlenzäpfchen sind sehr gut geeignet für Garnelenaquarien, sie wirken leicht antibakteriell und fungizid. Die Huminstoffe können sich günstig auf den pH-Wert auswirken. Sie können ab Ende September gesammelt werden, wenn sie dunkelbraun sind (idealerweise nach dem ersten Frost). Als Test gibt man die Erlenzäpfchen in ein Glas mit Wasser. Senken sich nach einigen Minuten dunkelbraune Schlieren ab, sind noch genug Huminstoffe enthalten.

Dosierung: 1 bis 2 Erlenzapfen je 20 l Aquarienwasser, sie werden nicht überbrüht, sondern direkt ins Aquarium gegeben. Nach ca. vier Wochen haben die Erlenzäpfchen ihre Inhaltsstoffe an das Aquarienwasser abgegeben. Man kann sie aber noch im Aquarium belassen, da sie von Garnelenbabys als Versteck genutzt und von allen Tieren abgeweidet werden (Algen, Mikroorganismen)

Bilder: www.garnelio.de, www.canva.com, Clarissa Rosenbeck

Quelle: www.garnelenhaus.de/wiki/