Herbstlaub für Wirbellose sammeln

Laub dient in den Ursprungshabitaten der Tiere als Futter, Versteck und Besiedlungsfläche für Kleinstlebewesen, Mikroorganismen und Bakterien. Außerdem wirken sich die vom Laub abgegebenen Huminstoffe wie ein natürlicher Wasseraufbereiter sehr positiv auf das Wasser aus und dient vorbeugend gegen Krankheiten. Daher setze ich Laub natürlich auch in meinen Aquarien mit Krebsen und Garnelen ein. Besonders in Aquarien mit viel Nachwuchs ist Laub für mich unverzichtbar. Babykrebse und Babygarnelen verstecken sich besonders nach der Häutung gern im Laub vor ihren größeren Geschwistern und finden dort dann gleichzeitig auch Nahrung.

Man kann Laub sogar als Heilmittel (Birke, Walnuss…) oder bei passenden Wasserwerten (kh) zum Senken des ph-Werts nutzen – und das auf ganz natürliche Weise und noch dazu kostenlos! Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen: Naturheilmittel für Wirbellose

Generelles:

Gesammelt wird ausschließlich das trockene, braune Herbstlaub (gelb, orange, braun je nach Sorte). In heißen Sommern kann es schon mal vorkommen, dass die Bäume ihre Blätter wegen der Trockenheit zu früh abwerfen. Der Baum hat dann den Blättern noch nicht alle Zuckerstoffe entzogen, und auch wenn die Färbung nicht mehr ganz grün ist, so ist es doch noch lange kein braunes Herbstlaub. „Grünes“ Laub enthält unter anderem Zuckerstoffe, die in großen Mengen verwendet zu einer Bakterienblüte, Sauerstoffproblemen oder massiven Problemen mit der Wasserqualität führen können. Daher sollte grünes Laub nur in ganz geringen Mengen als Futter oder Heilmittel ins Aquarium gegeben und die Wasserwerte im Blick behalten werden. 

Geeignete, ungiftige Laubsorten:

  • Eiche (senkt den ph-Wert bei entsprechend niedriger Wasserhärte)
  • Buche
  • Ahorn
  • Erle
  • Ulme
  • Weide
  • Pappel
  • Obstgehölze (Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Marille, Pfirsich, Feige, Nektarine…)
  • Haselnuss (Walnusslaub wird grün als Heilmittel verwendet)
  • Esskastanie, Kastanie
  • Seemandelbaum
  • Maulbeerbaum
  • Guave
  • Banane

Nicht verwendbar:

  • Zimmerpflanzen wie Efeu, Gummibaum, Ficus etc. (giftig)
  • Wolfsmilchgewächse
  • Stark alkaloidhaltige Pflanzen
  • Goldregen
  • Eibisch
  • Tollkirsche…
    Auch sichtlich von Krankheiten oder Pilzen befallene Blätter verwende ich nicht.

Geeignete Sammelstellen:

Ich sammle das Laub in einem mir sehr gut bekannten Wald an unbefahrenen Waldwegen und achte darauf, dass keine Felder im direkten Umfeld sind, auf denen Spritzmittel wie Insektizide, Pestizide oder Dünger zum Einsatz kommen. Auch Behandlungen der Bäume z. B. gegen den Eichenprozessionsspinner oder andere Schädlinge müssen beachtet werden.

Sammeln und Lagern:

Laub sammelt man optimalerweise an trockenen, sonnigen Tagen, wenn es in den letzten Tagen nicht geregnet hat. Auch etwas Sonne oder Wind stellen sicher, dass man kein feuchtes Laub sammelt, das dann nur mit viel Aufwand getrocknet werden kann. Generell kann man auch Laub sammeln, das bereits am Boden liegt. Es ist meist etwas feucht und enthält in seinem leicht zersetzten Zustand bereits eine Vielzahl von Kleinstlebewesen, so dass es für den sofortigen Einsatz im Aquarium bestens geeignet ist.

Da ich jedoch immer eine große Menge Laub auf Vorrat für das ganze Jahr sammle, bevorzuge ich trockenes Laub, das ich direkt vom Baum absammle. Und gerade in so malerischen Wäldern die gern zum Gassigehen genutzt werden, hat das auch den Vorteil, dass das Laub nicht durch Urin verschmutzt ist.

Da ich sehr viel Laub für alle meine Aquarien benötige, habe ich mir Umzugskartons besorgt, die ich direkt unter den entsprechenden Baum / Ast stelle. Dann streife ich die Blätter direkt vom Ast ab oder schüttle den Ast, so dass die Blätter einfach direkt hinein fallen. Zu Hause angekommen stelle ich die offenen Kartons dann mindestens über Nacht vor Witterung geschützt auf, damit die evtl. mit eingesammelten Insekten sich ein neues Plätzchen suchen können.

Falls ich Zweifel habe, dass das Laub ganz trocken ist, stelle ich die Kartons noch ein paar Tage vor den Holzofen und kontrolliere anschließend die Restfeuchte. In getrocknetem Zustand bewahre ich das Laub bis zur Anwendung in den Kartons (nicht luftdicht) in einem trockenen Raum auf.

Von vielen anderen Aquarianern habe ich schon gesehen, dass sie das Laub sortenweise sammeln und einlagern. Mir wäre das zu viel Aufwand beim Sammeln. Und da ich das Laub immer gemischt in die Aquarien gebe, würde es auch keinen Sinn machen. Die Verwendung von gemischtem Laub hat einen einfachen Grund – die verschiedenen Laubsorten zersetzen sich unterschiedlich schnell. Durch die Zugabe verschiedenster Laubsorten habe ich immer Blätter in den verschiedensten Zersetzungsstadien und somit für alle immer das passende dabei!

Anwendung im Aquarium:

Man könnte das getrocknete Laub nun direkt ins Aquarium geben. Diese Methode hat den Vorteil, dass keinerlei Stoffe ausgeschwemmt werden. Man muss allerdings beachten, dass bei hierbei weniger Laub auf einmal ins Aquarium eingebracht werden kann. Einige Laubsorten wirken sich stark auf den ph-Wert aus (besonders bei niedriger Karbonathärte). Da beim Einbringen von trockenem Laub alle Inhaltsstoffe der Blätter komplett ins Aquarienwasser abgegeben werden, sollte man daher die Laubmenge anpassen und die Wasserwerte im Auge behalten.

Ich persönlich verwende die zweite Möglichkeit – ich überbrühe mein Laub mit kochendem Wasser. Das hat den Vorteil, dass das Laub sofort absinkt und ich durch das Ausschwemmen der Inhaltsstoffe auch eine große Menge Laub zugeben kann. Da ich an die 85 Aquarienabteile betreibe, wäre mir die Zugabe von Laub in kleinen Mengen einfach zu zeitaufwendig. Und da ich gleichzeitig auch Erlenzäpfchen, Laubaufgüsse und andere Naturmaterialien nutze, reichen die im Laub noch enthaltenen Inhaltsstoffe auf jeden Fall aus. 

Zum Überbrühen fülle ich einen Eimer mit getrocknetem Laub und übergieße es mit kochendem Wasser. Das gesamte Laub sollte mit Wasser bedeckt sein. So lasse ich es mindestens 15 Minuten ziehen. Falls es noch sehr heiß ist, spüle ich es kurz mit kaltem Wasser, bevor ich es ins Aquarium gebe. Aber meist steht der Eimer während ich Wasserwechsel mache einfach länger und ist so bereits gut abgekühlt.

Laub als Aquarienstarter:

Gerade in neuen Aquarien hat man oft das Problem, dass sich nützliche Bakterien und Kleinstlebewesen noch nicht ausreichend gebildet haben, um ein stabiles Öko-System und ausreichend Nahrung für die ersten Bewohner zu gewährleisten. Hier hilft das Einbringen von Filterschlamm aus chemiefreien, parasitenfreien und gut funktionierenden Aquarien ebenso wie ein Laubaufguss. Letzterer hilft auch bei der Aufzucht von Fischlarven, da man hier auf einfachste Weise schnell eine große Menge an Kleinstlebewesen herstellen kann.

Für einen Laubaufguss benötigt man ein Gefäß (Eimer, Schüssel, Aquarium, Fauna-Box etc.) und eine Membranpumpe mit Ausströmerstein. Ich übergieße das Laub im Gefäß mit heißem Wasser (nicht im Glas-Aquarium!), da dies den Zersetzungsprozess beschleunigt. Nachdem sich alles abgekühlt hat, gebe ich etwas PROTOGEN (Hersteller: Fa. Hobby) zu. Hierbei handelt es sich um ein Konzentrat von Infusorien (Aufgusstierchen wie Ciliaten, Paramecien, Pantoffel-, Augen-, Wimpern- und Trompetentierchen) verschiedenster Größe, die in Verbindung mit Aquarienwasser und dem in PROTOGEN enthaltenen Nährboden in kürzester Zeit aufleben und sich weiterentwickeln. Nach 3 Tagen ist das Laub und der Sud einsetzbar. So einen Ansatz kann man auch als Daueransatz weiter betreiben und immer wieder mit Laub und PROTOGEN ergänzen.

Bilder: Chris Lukhaup, www.canva.com