Die Caridina dennerli, auch bekannt als Kardinalsgarnele, zählt zu den auffälligsten Süßwassergarnelen im Hobby. Sie stammt aus den warmen, sehr klaren Seen auf Sulawesi (Indonesien) und begeistert durch ihre tiefrote Färbung mit leuchtend weißen Punkten.
Im Aquarium gilt sie als anspruchsvoll, da sie stabile, warme Wasserbedingungen benötigt (ca. 27–30 °C, alkalisch, mineralreich). Dafür belohnt sie Halter mit einem ruhigen Verhalten und einem einzigartigen Erscheinungsbild, das stark an Meerwassergarnelen erinnert.
Die Kardinalsgarnele ist damit vor allem für erfahrene Aquarianer geeignet, die sich gezielt mit Sulawesi-Arten beschäftigen möchten.
Kardinalsgarnelen sind deutlich schlanker und graziler als andere Zwerggarnelen-Arten. Und es besteht ein weiterer prägnanter Unterschied: sie bewegen sich fast ausschliesslich laufend (vorwärts, rückwärts und auch seitwärts) durchs Becken und schwimmen eher selten. Die weißen oder leicht bläulichen Punkte heben sich stark von der Grundfarbe ab, die von hellem Rot über Weinrot bis zu tiefem Schwarz-Rot gehen kann. Die weißen Scheren sind ein weiteres Highlight, sie stechen vom restlichen Körper ab und sind unermüdlich und flink auf Futtersuche.
| Wissenschaftlicher Name: | Caridina dennerli |
| Deutscher Name / Synonyme: | Kardinalsgarnele |
| Herkunft: | Sulawesi, endemisch im Matano-See |
| Endgröße Männchen: | 20 mm |
| Endgröße Weibchen: | 20 mm |
| Temperatur: | ca. 27 – 30 Grad |
| Zucht: | 15 – 20 Eier |
| Fortpflanzungstyp: | spezialisiert, fertige Jungtiere |
Ich hatte bereits früher Kardinalsgarnelen, die ich zwar vermehren, aber leider nicht dauerhaft halten konnte. Das führe ich auf schlechtere Hälterungsbedingungen zurück, da es damals noch kein Sulawesi-Mineral-Salz zur Aufbereitung des Wassers gab. Aber darauf gehe ich weiter unten detaillierter ein.
Die Kardinalsgarnele stammt von Sulawesi (Indonesien) und kommt dort endemisch nur im Matanosee vor. Bei den Seen auf Sulawesi handelt es sich um sehr saubere und keimarme Gewässer. Diese Wasserwerte wurden von Frank und Carsten Logemann auf ihrer Reise 2008 im Matanosee gemessen: (vielen Dank dafür!)
| Leitwert: | unter 230 |
| ph-Wert: | ca. 8,6 |
| Gesamthärte: | 7° |
| Karbonathärte: | 5° |
| Temperatur: | 29 Grad |
Wasserwerte und Wasseraufbereitung in meinem Aquarium:
Zum Aufbau meines Sulawesi-Projekts habe ich ein Aquarium verwendet, das bereits seit Jahren läuft. Die Filterung erfolgt mittels tschechischem Luftheber hinter einem Hamburger Mattenfilter (schwarze Filtermatte rechts im Bild). Als Rückwand habe ich eine Makrolon-Platte mit lebensmitteltauglichem Silikon bestrichen und Lavasteine aufgeklebt. Diese Rückwand dient den Garnelen als Rückzugsmöglichkeit und bietet jede Menge Weidefläche für die kleinen, aktiven Aufwuchsfresser. Als Kies habe ich Dennerle Kies verwendet. Das war aber eher Zufall, da dieser Kies schon im Aquarium vorhanden war und ich sicher sein konnte, dass er keine schädlichen Stoffe abgibt und sich schon jede Menge nützliche Bakterien dort angesammelt hatten. Ich wollte ja nicht, dass meine Kardinalsgarnelen einem Nitrit-Peak zum Opfer fallen…
Die Lavasteinrückwand hab ich ganz hinten an die Glassteine gesetzt. Damit kein Spalt entsteht, hinter der Garnelen feststecken können, ist die Platte unten angeschrägt und kann direkt auf die Silikonnaht gesetzt werden. Alternativ könnte man eine Linie mit Silikon links und rechts ziehen und die Rückwandplatte ankleben. Dann wird der Kies davor verteilt. Nun muss ich nur noch das Wasser aufbereiten und einfüllen.
Das Wasser bereite ich mit einem speziell für Sulawesi-Garnelen hergestellten Salz auf. Ich verwende das Sulawesi Mineral 8,5 von SALTYSHRIMP und bin damit sehr zufrieden.
Das Sulawesi Mineral 8,5 wurde nach wissenschaftlicher Analyse der Seen des Maliliseen-Systems auf Sulawesi entwickelt und dient der Aufhärtung von Osmosewasser, Regenwasser und vollentsalztem Wasser. Es ist nicht so gut wasserlöslich wie das Sulawesi Mineral 7,5 aber mit einem bisschen Aufwand erreicht man eine nahezu identische Wasserzusammensetzung wie sie im Towutisee vorzufinden ist, mit entsprechend hohem pH-Wert von ca. 8,5. Die Kardinalsgarnele stammt zwar aus dem Matanosee, aber da ich plane auch Harlekingarnelen zu pflegen, habe ich mich gleich für das höherwertige Salz entschieden, das ich dann für beide Arten verwenden kann.
Aufbereitung von Wasser mit Sulawesi Mineral 8,5
Eine detaillierte Anleitung zum Aufbereiten von Wechselwasser mit verschiedenen Salzen findet ihr in meinem Beitrag ???. Hier die Kurzversion: Zur Aufbereitung des Wechselwassers mit Sulawesi Mineral 8,5 löse ich das Salz in Osmosewasser außerhalb des Aquariums auf. Da ich bei jedem Wasserwechsel ziemlich genau dieselbe Menge Wasser wechsle, weiß ich schon in etwa wie viel Salz ich hierzu benötige. Diese Salz gebe ich in ein schmales Glas (Longdrink-Glas o. ä.). Zum Auflösen verwende ich einen relativ starken Milchaufschäumer. Ich stelle ihn mit einem Ring auf Filterschwamm in das Glas und lasse ihn etwa 15-20 Minuten laufen. In dieser Zeit bereite ich die benötigte Menge Wechselwasser in einer Wanne vor. Hierzu verwende ich Osmosewasser, das ich zum Teil mittels Wasserkocher erwärme um eine Temperatur von 26 – 27 Grad zu erhalten. Sobald das Salz aufgelöst ist (einige Teilchen verbleiben immer in relativ ungelöster Form), gebe ich so viel von der Mischung zum temperierten Osmosewasser bis die gewünschte Menge Wechselwasser mit einem Leitwert von ca. 220 µS erhalte. Wichtig ist, auch die ungelösten Teilchen zu verwenden und diese beim Wasserwechsel auch mit ins Aquarium zu geben. So wird es auch vom Hersteller in seiner Gebrauchsanweisung empfohlen.
Wenn Euch die ungelösten Teile und der weiße Schleier im Wasser gleich nach dem Wasserwechsel stören, könnt ihr das Salz auch unter Zugabe von CO2 über einige Tage auflösen. Nach CO2-Zugabe muss das Wasser anschließend für mindestens 3 Stunden (besser länger) mittels Luftsprudler belüftet werden, um das CO2 wieder auszutreiben. Klappt übrigens auch mit Bio CO2. Diese Art des Auflösens benötigt allerdings etwas Vorbereitung. Am Besten setzt man das Wechselwasser eine Woche vor dem geplanten Wasserwechsel an und belüftet es dann bis zum Wasserwechsel weiter.
Hier noch Auszüge aus der Produktbeschreibung des Herstellers: „Sulawesi Mineral 8,5 enthält alle wichtigen Mineralien und Spurenelemente für Gesundheit, Wohlbefinden und Farbenpracht der bekannten Garnelenarten aus dieser Region. Es fördert die mikrobielle Regeneration in Bio-Filtersubstraten. Auch die Gefahr durch gefährliche Keime wird reduziert, indem antagonistische (entgegenwirkende) Mikroflora besonders gefördert wird. Erhöht die Karbonathärte und Gesamthärte im Verhältnis KH/°dH = 0,78/1,0. Dosierung: Osmosewasser, Regenwasser, vollentsalztes Wasser, etc. mit Sulawesi Mineral 8,5 bis ca. 7 °dH und Leitwert ca. 220 +/- 40 µS (Mikrosiemens) aufhärten, das entspricht ungefähr einem gestrichenen Messlöffel (ca. 3 g) auf 20 Liter Wasser.“
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den Seen auf Sulawesi um besonders saubere Gewässer. Daher mache ich in diesen Becken einen Wasserwechsel pro Woche, anfangs wechselte ich sogar 2x wöchentlich eine geringere Menge Wasser. Allerdings habe ich festgestellt, dass 1x wöchentlich bei mir völlig ausreicht.
Beckeneinrichtung:
In allen anderen Aquarien habe ich immer sehr viel Laub und Erlenzäpfchen, im Fall der Caridina dennerli aber nur einzelne Blätter im Hintergrund. Außer Moosen, Mooskugeln und einer Pogostemon helferi habe ich keine weiteren Pflanzen im Becken. Die Lavasteinrückwand und zwei große Fingerwurzeln von amtra unterstützen den puristischen Aufbau des Beckens.
Da das Projekt so super läuft, habe ich nun auch ein zweites Sulawesi Aquarium in der Einlaufphase. Auch hier habe ich wieder die bewährte Ausstattung (Luftheber hinter Hamburger Mattenfilter (HMF) sowie eine selbstgebaute Lavasteinrückwand eingesetzt.
Vergesellschaftung:
Kardinalsgarnelen sind nicht nur wegen ihrer scheuen Art schwer zu vergesellschaften. Auch die hohe Temperatur und der hohe ph-Wert des Wasser muss beachtet werden. Ich habe mich daher für Schnecken entschieden, die im selben Habitat vorkommen und verschiedene Arten von Tylomelania Schnecken eingesetzt.
Futter:
Kardinalsgarnelen sind Aufwuchsfresser. Bei der Fütterung war es zuerst so, dass die offensichtlich importierten Alttiere sehr scheu waren und nicht aktiv ans Futter gingen. Stattdessen haben sie unermüdlich und flink alle Steine und Hölzer auf der Suche nach Aufwuchs abgeweidet. Daher habe ich Staubfutter, Spirulinapulver oder auch zerstossene Plankton-Tabletten gefüttert, die sich im Aquarium verteilt und als leichter Film auf den Steinen und Wurzeln abgelegt haben. Sobald sich das Spirulinafutter aufgelöst und im Aquarium verteilt hatte oder ich Staubfutter direkt auf die Wasseroberfläche streute, wurden die Kardinalsgarnelen immer besonders aktiv.
In den letzten Monaten habe ich einen großen Unterschied im Verhalten der Kardinalsgarnelen, speziell bei der Fütterung beobachtet. Mit der Zeit und vor allem mit steigender Anzahl der Nachzuchten wurde meine Truppe immer mutiger und ist nun gar nicht mehr scheu. Ich staunte nicht schlecht, als ich eines Tages meine kleinen Kardinalsgarnelen dabei beobachtete, wie sie das Futter der Tylomelania Schnecken (Hokkaido Kürbis, selbstgemachtes Spirulinafutter) massiv belagert und gefressen haben und sogar die großen Tylomelania Schnecken die Kleinen nicht vertreiben konnten.
Da es aber nach wie vor Aufwuchsfresser sind, dosiere ich die Rationen sparsam und bringe weiterhin regelmässig Steine oder Wurzeln mit starkem Algenaufwuchs ins Becken ein. Diese werden sehr gut angenommen und sofort abgeweidet.
Zucht:
Im Gegensatz zu den üblichen Garnelen wie z. B. Neocaridina davidi var. Sakura oder den beliebten Crystal Red Garnelen schwimmen Kardinalsgarnelen beim Paarungsschwimmen nicht so extrem viel durchs Wasser. Auch generell schwimmen sie selten, sondern bewegen sich sehr flink „zu Fuß“. Und das in alle Richtungen, also sowohl rückwärts, vorwärts oder seitwärts.
Mit 15 – 20 Eiern sind Kardinalsgarnelen nicht so produktiv wie andere Zwerggarnelen. Nach einer Tragezeit zwischen 3 und 4 Wochen entlassen die Weibchen fertig entwickelte Babys, die zwar noch sehr hellrot sind, aber bereits die charakteristischen schneeweissen Scheren und die Punkte zeigen. Nur sieht man sie auf der hellen Körperfarbe natürlich deutlich schwerer. Nach einigen Tagen ist die Körperfärbung aber bereits richtig rot und die winzigen Babys sehen aus wie Miniaturausgaben ihrer Eltern. Traumhaft schön!